Kambodscha – Ein Land für Individualisten und Abenteurer

Kambodscha ist ein Land der Gegensätze. Man kann hier unglaublich viel entdecken, zugleich gibt es aber mindestens genausoviel schockierendes. Wir haben uns Kambodscha als unser erstes Ziel nach Bangkok ausgesucht, weil wir etwas erleben wollten. Wir wollten nicht abgespeist und durchgewunken werden. Wir wollten etwas echtes sehen statt dem, was man sowieso schon kennt und gehört hat.

Was macht Kambodscha so besonders?

Definitiv die Lebensart der Menschen. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hat, möchte man nicht glauben wie die Menschen hier leben. Zwar übt der Westen auf einige Regionen bereits großen Einfluss aus, es gibt aber immer noch Orte, an denen das Leben noch sehr ursprünglich ist. Die Menschen leben hier dicht an dicht zusammen mit ihrer unmittelbaren Umgebung und allem was dazu gehört. Darunter Tiere und Pflanzen, die sich ihren Weg bahnen, der Mensch hat an manchen Orten einfach keine Chance. Die vielen Palmen und die tropische Vegetation machen das einzigartige Flair aus und wenn man von oben über die weiten Ebenen schaut, sieht das einfach nur traumhaft aus.

kambodscha mit kindern
Angkor

Lockere Lebensart und Armut

Für uns Menschen aus dem Westen kann es ein ganz besonders harter Kulturschock sein, hier anzukommen ohne jegliche Reiseerfahrung. Sascha hat das am eigenen Leib miterlebt, sich aber unglaublich schnell wieder gefasst. Hier ist die 5 einmal öfter gerade und vieles einfach egal. Gerade Kinder genießen hier ein wenig Narrenfreiheit, sollten aber in manchen Situationen auf ihre Eltern hören, da es sonst zu Unannehmlichkeiten kommen kann, die dann aber auch wieder schnell vom Tisch sind. Trotzdem – man möchte keinen schlechten Eindruck hinterlassen, gelten Kinder aus dem Westen doch mancherorts als verzogen. Wir haben viele Kinder gesehen die hier einfach nackig sind. Warm genug ist es das ganze Jahr über, warum also nicht? Wir persönlich haben damit keinerlei Probleme, zumal sich unser Mädchen bei jeder Gelegenheit ihrer Kleider entledigt, was zu Hause in Deutschland zu schiefen Blicken führt und auf Unverständnis stößt – leider!

Wer nicht viel hat, kann auch nicht viel verlieren. Das was wir als Armut bezeichnen, sieht man hier überall. Es ist der Standard. Die Menschen wohnen in Hütten, überwiegend auf Stelzen gebaut, aufgrund der Überschwemmungen in der Regenzeit. Die Hütten sind sehr einfach, manche besonders spartanisch aus Wellblech gebaut, meist aber aus Holz. Das Leben findet draußen statt. Auch die offene Bauweise der Hütten und Häuser trägt dazu bei, dass es gar nicht anders geht. Was getan werden muss, wird vor der „Türe“ erledigt und auch die Ruhepausen werden in der Hängematte vor den Häusern verbracht. Diese sind hier übrigens sehr beliebt und auch jeder TukTuk-Fahrer hat eine Hängematte, die er bei Bedarf herausholt und in seinem Gefährt aufhängen kann. Sehr cool.

Wir sehen hier überall Baustellen, es werden verdammt viele neue Häuser gebaut, in westlichem Stil. Gleichzeitig stehen alte Bauten aber leer und die Natur kümmert sich um den Rest, der keinen mehr interessiert. Teilweise sieht das sehr mystisch aus, wie sich die tropischen Pflanzen um die im Kolonialstil gebauten Häuser winden – sehr schön!

Money Money …

Die eigentliche Währung wird hier als Ausländer kaum benötigt. Überall, ja wirklich überall sind die Preise in Dollar angegeben, selbst außerhalb in winzig kleinen Geschäften, die nicht danach aussehen, als ob sich öfter einmal Touristen hierher verirren.
Wenn man etwas kaufen möchte, sollte man sich niemals, wirklich niemals auf den zuerst genannten Preis einlassen. Der ist in der Regel grundsätzlich viel zu hoch, üblicherweise 5-10 Mal so hoch, wie das, was man am Ende bezahlt. Wenn man denn anständig verhandelt. Und selbst dann kann man davon ausgehen, dass Einheimische nur einen Bruchteil dessen bezahlen was man selbst bezahlt. Wir sind dazu übergegangen zu beobachten was die Einheimischen bezahlen. Daran kann man den Endpreis ganz gut festmachen, wobei es auch nicht allzu wild ist ein wenig mehr zu bezahlen. Zwar gilt Kambodscha als günstiges Reiseland, was es auch sein kann, wenn man gewisse Dinge beachtet, aber Touristen werden durchweg abgezockt. Immer und überall. Dadurch kann es auch schnell ganz schön teuer werden, wenn man nicht aufpasst und sich immer auf das erstbeste Angebot einlässt. Gerade Siem Reap ist in unseren Augen total überteuert, was natürlich an Angkor liegt. Die Menschen hier sind auch nicht dumm, Touristen sollten es aber auch nicht sein! Nach oben gibt es bekannterweise keine Grenzen.

TukTuk Mafia

Wir haben in unserem ersten Hotel in Siem Reap ein paar schöne Tage verbracht und trotzdem etwas auszusetzen. Vor dem Hotel, und das konnten wir an an den meisten gehobeneren Hotels beobachten, gab es 6 TukTuk – Fahrer, die immer für die Gäste da waren. Man kann das Hotel nicht verlassen, ohne angesprochen zu werden und selbst wenn man mehrmals ablehnt, wird man in ein Gespräch verwickelt, um den Service eventuell doch in Anspruch zu nehmen. Erst am letzten Tag fiel uns auf, dass wir grundsätzlich zu viel bezahlt haben! Wir hatten einen Fahrer, der wohl für uns zuständig war. Am letzten Tag gingen wir also nach draußen und wimmelten den Fahrer erst einmal ab – gar nicht so leicht! Ein paar Meter weiter haben wir uns dann ein günstigeres Gefährt genommen, genauso wie für die Rückfahrt. Als wir am Hotel ankamen, wurden wir seltsam beäugt, vor allem „unser“ Fahrer schaute uns ganz komisch an. Der Fahrer der uns zurück brachte, zuckte beim Anblick der Hotel-Fahrer und der Angestellten mit den Schultern, nach dem Motto „Ich kann nichts dafür“. Sascha wurde darauf hin gar nicht mehr so nett empfangen wie sonst immer. Komisch! Wir haben alles auf Video, da ich unsere letzte Fahrt gefilmt habe, ich wollte es gar nicht glauben. Das war wirklich ein blödes Erlebnis, aber so ist es wohl einfach.

wild family life
Siem Reap

Jeder will an dir verdienen

2 Mal haben wir uns ein privates Taxi durch das Land genommen. Zum einen weil es extrem günstig ist, zum anderen weil es mit den Kindern entspannter ist. In dem Fall muss man ganz genau aufpassen. Am besten sucht man sich selbst jemanden, denn wenn man das über das Hotel oder eine Agentur macht, zahlt man 5-10$ oben drauf für die Vermittlung, die nur einen Anruf kostet! Finden wir nicht in Ordnung. Außerdem immer darauf achten, dass der Fahrer auch englisch spricht. Für die eine Fahrt, obwohl wir explizit nach einem solchen Fahrer verlangten, hatten wir jemanden der kein Wort verstand, was alles ziemlich erschwerte.

Müll an jeder Ecke

Müll findet man hier überall, wobei das in ganz Asien ein Problem ist. In Kambodscha gibt es keine geregelte Müllabfuhr und auch sonst geht man hier sehr verantwortungslos damit um, was mitunter daran liegt, dass die Menschen es einfach nicht besser wissen! Zwar gibt es mancherorts ein paar Schilder und teilweise sogar Mülleimer, aber trotzdem wird der Müll einfach vor der Türe entsorgt.

Busfahrten durch das Land

Bus fahren durch Kambodscha ist billig und mit Giant Ibis auch relativ komfortabel. Von allem anderen sollte man besser die Finger lassen, da die Busse entweder verdammt langsam sind, oder mitten auf der Strecke stehenbleiben, weil irgendetwas versagt hat. Außerdem werden unregelmäßige Pausen gemacht und kein Mensch versteht dich, sodass nicht immer ersichtlich ist, was denn gerade los ist, wie lange man stehen bleibt und ob es überhaupt weitergeht. Genauso werden die Zeiten nicht eingehalten, bzw ist der Bus rein technisch nicht in der Lage die Zeiten einzuhalten. Wir hatten einen Bus von Sihanoukville zur thailändischen Grenze, der angeblich 4 Stunden benötigt. Im Endeffekt waren es dann 2 Stunden mehr und wir haben pro Person aus welchen Gründen auch immer 5$ mehr bezahlt.

Das Meer und die Strände

Sind in Kambodscha nicht mehr so schön. Einzig in Kep und in Sihanoukville am Otres Beach haben wir einen annehmbaren Strand vorgefunden, jedoch hatten beide ihre kleinen Fehler. So war das Wasser in Kep nicht sehr klar und der Strand nicht ganz so vermüllt wie anderenorts, aber dafür auch nicht so groß. Außerdem wurden immer wieder viele kleinere Müllteilchen und anderes mit an den Strand geschwemmt, sodass baden kaum möglich ist. Sihanoukville ist bekanntlich nicht mehr schön, aber am Otres Beach lässt es sich noch einigermaßen aushalten. Wenn man weit genug vom Abwasserkanal, der direkt ins Meer führt, weg ist. Für einen Strandspaziergang reicht es allemal.

shianoukville mit kindern
Shianoukville

Warum sich eine Reise nach Kambodscha lohnt!

Wenn man sich gut vorbereitet um so Scams und andere Unannehmlichkeiten zu vermeiden, ist Kambodscha ein tolles Urlaubsland. Zumindest was Angkor beziehungsweise Siem Reap und Phnom Penh angeht. In beiden Orten haben wir uns sehr wohl gefühlt und kommen bestimmt irgendwann wieder. Alleine Angkor mit seinen unzähligen Tempelanlagen ist zumindest einen Abstecher wert. So schnell wird man die Anlage nicht wieder vergessen. Phnom Penh hat theoretisch nichts zu bieten und eine hohe Kriminalitätsrate, aber man kann, wenn man gut vorbereitet ist und grundsätzliches beachtet, ein paar schöne Tage verbringen. Ob man in den vielen grünen Anlagen an den Palmen entlang schlendert oder einen Spaziergang am Fluß macht und vielleicht noch den Palast besucht, es gibt auf jeden Fall vieles zu entdecken und sehr gutes günstiges Essen! Ebenfalls darf man sich die wunderschöne Flora und Fauna nicht entgehen lassen. Das ganze Land ist voll schöner Ecken und Enden, die es zu entdecken gilt. Aber bitte nicht auf eigene Faust, denn viele Teile des Landes sind noch immer vermint. Man merkt es noch immer, dass Land und Leute unglaublich gelitten haben, was einen aber nicht davon abhalten sollte Kambodscha zu erkunden.

Gute Reise wünscht wildfamilylife.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.