5 Tipps für entspanntes Reisen mit hochsensiblen Kindern

Reisen mit hochsensiblen Kindern ist nicht immer einfach, doch wenn wir ein paar Dinge beachten, kann es für alle entspannt und auch schön sein. Zu Beginn unserer Reise waren wir uns nicht sicher, ob es tatsächlich eine gute Idee war, alles aufzugeben und mit unserem hochsensiblen Kind zu reisen. Zugegeben war es auch ein Lernprozess, mit dem wir erst einmal fertig werden mussten. Zum Glück ist unser Kind derart begeisterungsfähig und wissenshungrig, sodass das Reisen an sich kein Problem für ihn darstellt. Im Gegenteil. In Deutschland ist er mit seinem sensitiven Gemüt grundsätzlich angeeckt und oft hat er zu hören bekommen, er soll sich nicht so anstellen. Sobald wir unser gewohntes Umfeld verlassen hatten, haben uns auch die Menschen anders behandelt. Da wir quasi dauerhaft den Status von Touristen genießen dürfen, sind die Menschen einfach freundlicher. Das kommt auch unserem hochsensiblen Kind sehr zugute. Unser hochsensibles Kind will tatsächlich reisen und möchte nicht, wie er gerne sagt: „gelangweilt an einem Ort bleiben“. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, die das Reisen mit hochsensiblen Kindern vereinfachen, sodass die Reise für die ganze Familie ruhig und entspannt verläuft.

Was unterscheidet hochsensible Kinder von anderen Kindern?

Es fehlt schlichtweg der Filter. Über ihre Sinne nehmen sie alles besonders intensiv wahr. Sie können sich nur schlecht bis gar nicht abgrenzen und so kann es dazu führen, dass die Sinneswahrnehmungen überhandnehmen und der hochsensible Mensch absolut überfordert ist. Schnell können laute Geräusche und Hektik zu totaler Überreizung führen und der Mensch kommt nicht mehr mit seiner Umgebung zurecht. Bereits ein einfacher Besuch in der Stadt kann dazu führen, dass das hochsensible Kind zu viele Sinneseindrücke aufnimmt und sie nicht schnell genug verarbeiten kann. Hochsensible sind oft kopflastig und wenn etwas außerplanmäßig läuft, verlieren sie schnell den Boden unter den Füßen. Hochsensible sind meist sehr wissbegierig und das erleichtert es uns oft ungemein. Das Gegenteil ist der Fall, wenn wir etwas durchgeplant haben und es am Ende aufgrund der äußeren Umstände doch ganz anders kommt.

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Langsam reisen

Der wichtigste Punkt ist langsames Reisen mit hochsensiblen Kindern. Ob man nun dauerhaft reist, oder einen Familienurlaub plant, spielt keine Rolle. Die Anreise sollte langsam und gemütlich vonstatten gehen, mit vielen Pausen, damit das hochsensible Kind die vielen Eindrücke verarbeiten kann. Reist man mit dem Auto an einen bestimmten Ort, ist es wichtig darauf zu achten, dass man wirklich viele Pausen einlegt, um allen Bedürfnissen nachkommen zu können. Das ist nicht nur bei hochsensiblen Kindern wichtig, jedoch nehmen diese Kinder beispielsweise eine stressige Fahrt viel intensiver wahr, als das „normale“ Geschwisterkind und so kann ein Urlaub schnell als etwas Negatives wahrgenommen werden – dabei soll es doch für alle Beteiligten ein schönes Erlebnis sein. Fahren wir Hunderte Kilometer durch fremdes Territorium muss das Kind all die unterschiedlichen Eindrücke erst einmal verarbeiten, was als hochsensibler Mensch manchmal ein schwieriges Unterfangen ist. Es gilt sich langsam zu bewegen, mit dem Kind in Kontakt bleiben und am wichtigsten ist: Auch in stressigen Situationen (zB. im Stau oder am Flughafen in der Warteschlange) einen kühlen Kopf bewahren! Wir als Eltern sind gerade bei hochsensiblen Kindern der Fels in der Brandung – eine verlässliche Konstante.

Bedürfnisse wahrnehmen und befriedigen

Ebenso wichtig ist, dass wir bei unseren Kindern bleiben und bedacht darauf sind, dass wir die Bedürfnisse zügig wahrnehmen und uns auch so schnell wie möglich darum kümmern. Sind hochsensible Kinder einmal Stress ausgesetzt und stehen hinten an, können zeitgleich noch mehr Bedürfnisse aufkommen und schnell ist das Kind absolut überreizt. Wenn Hunger und/oder Durst aufkommen, die Umgebung laut ist und noch die vielen Sinneseindrücke dazukommen, läuft die Situation gerne einmal aus dem Ruder und keiner hat mehr Lust. Daher ist es besser, immer alles bereit zu halten, um schnell reagieren zu können. Bei uns ist es zB. ein wichtiger Punkt, dass wir unserem Kind möglichst schnell eine ruhige Umgebung schaffen. Eine Umgebung, in der es für den Moment einfach sein kann. Das kann auch ganz simpel eine lange Umarmung sein, bei der wir ihm die Ohren ein wenig zuhalten, um ihn abzuschotten. Das hilft in den meisten Fällen sofort und wir können dann wieder in Ruhe an der Stelle weitermachen, an der wir stehen geblieben sind.

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Auf die Wünsche des Kindes achten

Erwachsene entscheiden gerne einmal über den Kopf der Kinder hinweg und gehen ihren Interessen nach – die Kinder müssen einfach mitziehen. Das geht schlecht beim Reisen mit hochsensiblen Kindern. Wenn sich die Eltern einen Strandurlaub wünschen, kann das für ein hochsensibles Kind schön und entspannend sein, aber es kann auch unterfordernd sein. Unser hochsensibles Kind kann seine Wünsche mittlerweile gut ausformulieren, was uns ungemein hilft die Gesamtsituation besser einzuschätzen und schlussendlich auch richtig zu reagieren. Wichtig ist, seinem Kind zu zeigen, dass man es auch tatsächlich hört und auf die Bedürfnisse eingeht. Oft fällt es Hochsensiblen schwer, sich auszudrücken und manchmal muss das ein wenig geübt werden bzw. man muss einen Weg finden, auf eine andere Art und Weise zu kommunizieren. Vieles findet ausschließlich im Kopf statt und kann verbal so nicht geäußert werden. Bei hochsensiblen Kindern erfordert das sehr viel Feingefühl, um herauszubekommen, was denn nun in dem kleinen Kopf vorgeht. Will dein Kind Sehenswürdigkeit XY nicht besuchen, sondern lieber einen Spaziergang zum Spielplatz machen, sollte man unbedingt darauf eingehen, bevor das Sightseeing total schief läuft und keiner einen Nutzen daraus ziehen kann.

Viel schlafen!

Unterschätzen sollte man das Bedürfnis nach Ruhe auf keinen Fall. Als hochsensibler Mensch benötigt man gerade dann, wenn man unterwegs ist, deutlich mehr Ruhe. So wichtig, wie ausgiebige Pausen zu machen, ist auch genügend Schlaf. Um all die neuen Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten zu können, ist das ein besonders wichtiger Punkt. Wir machen es grundsätzlich so, dass wir vor dem Schlafen gehen noch einmal alle zur Ruhe kommen, damit wir sichergehen können, dass unser Kind auch einen erholsamen Schlaf bekommt. Den Tag noch einmal Revue passieren lassen und über alles sprechen, was gut und was nicht so gut war. Direkt vom Abenteuer ins Bett wäre bei uns zu viel und unser Kind hätte eine unruhige Nacht.

In die Planung mit einbeziehen

Gut ist es auch, wenn man sein Kind in die Planung mit einbezieht. So kann das Kind seine Vorfreude ausleben und verbindet bereits im Vorfeld positive Emotionen mit der Reise. Auch sehr hilfreich sind Dokumentationen, Bilder und das Besprechen der landestypischen Verhaltensweisen der Menschen, um nicht vor Ort in Erklärungsnot zu geraten oder das Kind eventuell überrannt wird. In Asien war es für unser Kind sehr unangenehm ständig angefasst zu werden, jedoch waren wir darauf vorbereitet und konnten, wenn die Asiaten nicht zu flink waren, rechtzeitig reagieren. Schön ist es auch, die Reiseroute oder das Ziel gemeinsam auszusuchen und den ein oder anderen Reiseführer durchzustöbern.

Das waren unsere 5 Tipps für einen entspannten Urlaub oder das Reisen mit hochsensiblen Kindern. Vieles gilt sowohl für hochsensible als auch für „normale“ Kinder, doch muss man bei einem hochsensitiven Kind ganz besonders hinsehen und auf die Gefühle und Gestiken achten. Sonst kann der angesammelte Stress schnell auf die ganze Familie abfärben und die Reise nimmt unschöne Züge an.

Habt ihr Erfahrungen zum Reisen mit hochsensiblen Kindern? Wie ist das bei euch auf Reisen oder im Urlaub? Schreibt uns!

Alles Liebe und gute Reise – eure Nadine

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